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Pedro Horillo, der Ex-Profi, der eigentlich kein solcher sein will, weil Radsport sein "Leben war und ist", berichtet in einem Blog in der spanischen Tageszeitung "El País" ganz persönlich von den Eindrücken während der Tour 2010. Als ehemaliger Top-Fahrer hat er Zugang nicht nur zu den Fahrern und Rennställen, sondern kann die Tour "nachvollziehen". Diesmal kann er rechts ran fahren und sich Zeit nehmen und die Tour als interner Externer für seine Leser wiedererleben.
Die Berichte sind persönlich, und immer hautnah. So fotografiert er Kriegsdenkmäler in Reims, erlebt den Ruhetag mit dem Astana-Team bei einer Ausfahrt zu einem Bergsee, trifft einen alten Bekannten, einen Amateur aus Holland, um die Strecken abzufahren und an der Strecke in einer Bar der Hitze zu entkommen oder fotografiert die verrückten Fans an der Strecke.
Auf dem Arenberg zum Beispiel fotografiert Horillo "Fallen", kleine Pavés, die als einzelne Steine schief stehen und das Aus bedeuten können. Wie man (am besten) auf die Holperpiste knallt, beschriebt er auch. Einen Auszug fand ich so lesenswert, dass ich ihn hier übersetzt habe:
"Bevor du eintrittst, wirfst Du einen Blick auf den Abschnitt und weißt, welche Geschwindigkeit die richtige ist, um mit dem Stein in Kontakt zu treten. Du weißt, dass du das Vorderrrad anheben musst, indem du einen kleinen Sprung machst, um den ersten harten Schlag zu umgehen. Und einmal auf dem Abschnitt, während du versuchst die Kadenz zu halten, in der du dich am wohlsten fühlst, studierst du aus dem Augenwinkel den Weg der noch kommt. Du fixierst dich auf das Profil der Steine, die Vegetation in den Pflastersteinen, auf die Farbe des Lehms, auf den Seitenstreifen, auf das Gras, das an den Seiten wächst. An der Farbe, so wie bei Asfalt, siehst du, ob es feucht ist oder nicht. An der Höhe des Grases erkennst du, ob du dort vorbeifahren kannst oder nicht. Und in den Rinnsteinen an den Seiten erkennst du, ob es Fallen in Form von Löchern gibt, einfach durch das Relief der Vegetation. So navigierst du. Du wirst all die Daten über deine Sinne erhalten und während du sie verarbeitest, lässt du dich leiten, weil deine Erfahrung sagt, dass das der richtige Weg ist. Oder eigentlich, es ist gar kein instinktiver Prozess, nein, die Erfahrung spielt eine sehr wichtige Rolle.
Und das alles, das darf man nicht vergessen, mit dem Herz, das am Maximalpuls schlägt, denn das Pavé an sich ist eine total heftige Serie; die beim Betreten des ersten Abschnitts beginnt und die beim Verlassen des letzten endet. So wie ein Anstieg nur im Flachen; oder wie bei einem nur einige Minuten dauernden Prolog"
Horrilo, der ehemalige Student der Philospohie, gibt der Tour in seinen Berichten die Faszination wieder. Humorvoll stellt er in Morzine sein Rad an die Betonwand am Anstieg und schreibt zu einem seiner Fotos: "Heute habe ich die Fahrer echt von ganz, ganz nah gesehen: hier Gesink. Und mein Rad dahinten rechts an der Mauer". Gerade in diesem Jahr, in dem es so spannend ist wie seit Jahren und in dem der Radsport an einem Wendepunkt steht (Stichwort: Umgang mit Doping), erscheinen seine Berichte aus erster Hand als so persönlich und emotional wie sie Eurosport und ZDF schwer vermitteln können. Seine Leser in Spanien danken es ihm in vielen Leserkommentaren.
Hannes
Quelle: http://blogs.elpais.com/click-clack/
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